Technische Daten der J24
Lüa: 7.32 m
Büa: 2.72 m
Tiefgang: 1.22 m
Großsegel: 12,6 m²
Genoa: 20 m²
Spi: 40,8 m²
Gewicht: 1.375 kg
Besatzung: min. 3 Pers.
max. 400 Kg
Zur Langlebigkeit des Balsa-Sandwichaufbaus: Dissertation Research Project

Ein paar Worte zum Kieldesign (wo es doch so viel Aufregung gab):

Neues Kieldesign?

Zur Entstehung eines Gerüchtes: Während der Europameisterschaft
2001 in Medemblik waren einige Kiele durch ihre wellige Vorderkante
aufgefallen. Es wurde vermutet, dass die verdächtigten Boote einen
illegal gekürzten Kielsumpf haben, um Vermessungspunkte zu
ihren Gunsten zu verschieben.
Leider hatte die holländische KV versäumt, entsprechend den
internationalen Vorschriften einen anerkannten Vermesser offiziell zu
bestellen. So wurde auf bitten der Organisatoren vor Ort auf einen
Vermessungsprotest verzichtet. Es wurden auch keine Maße
genommen.
Dies hinderte den holländischen Klassenpräsidenten nicht daran,
eine interessante Diskussion mit anzutreiben. Gestützt durch die
Sachkenntnis eines englischen und eines kanadischen Vermessers wurden folgende Fakten zusammengetragen:
Durch das Verkürzen des Kielsumpfes wandert der Vermessungspunkt, von dem aus die Stationen zur Kielvermessung ermittelt werden, nach achtern. Dadurch werden die Kielstationen tiefer angesetzt, was dann eine vergrößerte Fläche ermöglicht. Darüber hinaus kann der größere Kiel im unteren Bereich mehr Blei aufnehmen.
Mit diesen Fakten versorgte der kanadische Vermesser und Präsident der IJCA, Geoff Evelyn, den Vorsitzenden des IJCA Technical Committee (IJCA TC), John Peck. Dieser erklärte die Boote kurz entschlossen für illegal.

Nach dem Aufdecken diverser Verfahrensfehler und vor allem wegen fehlender Fakten, segelten die verdächtigen Boote, bis zur Nachvermessung durch das IJCA TC, unverändert weiter.

Ich hatte später die Gelegenheit, zusammen mit Jan Mohr den fraglichen Kiel zu vermessen. Was wir vorfanden ist ein Problem, auf das ich vor ein paar Jahren schon einmal stieß. Der J24 Kiel ist als Kiel mit geraden Kanten geplant. Wir vermessen die Kielachterkante und von dort an sechs Stationen die Längen nach vorn. Wenn man die Achterkante konvex gestaltet, verschieben sich die mittleren Sektionen nach hinten und die oberen und unteren Sektionen nach vorn. Dadurch wird die Vorderkante zwangsweise hohl, es sei denn man verzichtet auf Fläche. Um einen ebenen Übergang zum Kielsumpf zu erzielen, müsste dieser verlängert werden. Das wäre aber illegal. Deshalb entsteht am Übergang vom Kiel zum Sumpf die auffällige Beule. Im Resultat eine unschöne Vorderkante. Über diesen besonderen Kiel bleibt festzustellen:
Der Kielsumpf ist nicht illegal verändert und erfüllt den Vergleich mit Booten anderer Werften und Baujahre.
Der Kiel hat keine vergrößerte Fläche gegenüber einem optimalen Standardkiel.
Der Kiel hat kein vergrößertes Volumen.
Der Kiel ist nicht geeignet um mehr Gewicht weiter unten zu plazieren.
Alle gegebenen Toleranzen und Referenzen werden erfüllt.
Eine Verbesserung der Segeleigenschaften ist sehr fraglich.

Allerdings haben wir auch feststellen müssen, dass es innerhalb der Vermessung ungewollte Toleranzen gibt. Hier wird das IJCA TC zum nächsten Jahr mehr Klarheit schaffen müssen.

Eine neue Generation im Kieldesign haben wir indes nicht!
Smooth Sailing.
Hauke
Für die, die mich nicht mehr kennen: Ich habe von 1984 – 2000 in der J24 gesegelt.
Seit 1987 bin ich Vermesser in der Klasse und wurde 1990 in das IJCA TC berufen.
Im April 2000 zog ich zurück nach Helgoland, wo ich seitdem eine Segelschule betreibe.

Anmerkung
Ich hab die Story hier eingestellt, weil sie zeigt, wie genau in der Klasse auf Veränderungen geachtet wird, wie korrekt und penibel vermessen wird und weil klar wird, daß im Rahmen der Klassenregeln Veränderungen zu besseren Segeleigenschaften an der J24 wohl nicht mehr möglich sind.
Wir segeln "One Design" - im besten Sinn.

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